SAP Space

Apparition of Bloom

Ausstellung | Do. 11.06.2026 | 18:30 - 21:30

Jonas Brinker, Patricia Detmering, Nancy Görlach, Juliane Tübke

Konzipiert von Patricia Detmering

SAP Space, Donaustr. 50, 12043 Berlin-Neukölln

„Alles ist Blatt.“
Mit diesem Satz beschreibt Johann Wolfgang von Goethe, einleitend die Suche nach seiner Urpflanze und verfolgt damit zugleich den Gedanken, es müsse eine zugrunde liegende, vollkommene und ideale Grundform der Natur geben. Dieses Denken trägt eine fast ideologische Hoffnung auf ein Ganzes in sich, bleibt jedoch letztlich ungelöst und scheitert an der Vielfalt der tatsächlichen Erscheinungen. „The Bloom“ wird der Moment in dem Goethe zu seiner Liebsten, Christiane schreibt, dass er sich selbst getäuscht hatte und die Urpflanze nur ein theoretisch abstraktes Konstrukt sein kann.
Apparition of Bloom nimmt diese Vorstellung als Ausgangspunkt und verschiebt sie aus der Botanik in psychische, materielle und symbolische Zusammenhänge. Die Ausstellung interessiert sich weniger für Natur als harmonisches System, sondern viel mehr für die Stellen, an denen solche vom Menschen erdachten Ordnungen brüchig werden. Sie setzt genau dort an, wo der Anspruch auf eine geschlossene Form nicht aufgeht und sich stattdessen Spannungen und Brüche zeigen. Die Arbeiten von Jonas Brinker, Juliane Tübke, Nancy Görlach und Patricia Detmering zeigen Bildzustände, in denen sich Form nicht stabil hält. Körperliche, pflanzliche und abstrakte Elemente verschieben sich ineinander, ohne je ganz fest zu werden. Natur wird dabei weniger Motiv als eine Art Träger für affektive Zustände und Assoziationen, die bewusst nur angedeutet bleiben. Vor diesem Hintergrund lässt sich die Ausstellung auch als Kommentar zur Gegenwart lesen. In einer Zeit, in der viele gesellschaftliche Debatten nach Eindeutigkeit verlangen, wächst der Druck, Ambivalenz zu reduzieren. Gleichzeitig bleibt das Bedürfnis nach Sinn und Zusammenhang bestehen. Apparition of Bloom versucht nicht, diesen Widerspruch aufzulösen. Ambiguität wird hier nicht als Problem verstanden, sondern als Teil jeder Erfahrung. Veränderung erscheint so nicht als lineare Entwicklung, sondern als fragiler Prozess: Formen entstehen, zerfallen und tauchen wieder auf. Was bleibt, ist kein abgeschlossenes Bild, sondern eine Bewegung zwischen dem Wunsch nach Ganzheit und der Erfahrung, dass Dinge offen und unvollständig bleiben.

SAP Space

SAP Space ist ein Projektraum, der den Garten als ein erweitertes Thema betrachtet und einen physischen und konzeptionellen Raum für die Erforschung von Naturkulturen und darüber hinaus bietet. Der Raum befindet sich im Hinterhof eines Neuköllner Altbaus und umfasst ein kleines einstöckiges Gebäude und den Garten, in dem es sich befindet. Der Garten ist auch eine Erweiterung des Lebensraums der Gründer von SAP Space, wo die Semiotik der Kunst in die Ikonographie eines alltäglichen Hinterhofs eindringt und umgekehrt, wodurch das Alltägliche und das Diskursive verschwimmen.

Der Name SAP Space leitet sich aus den vielfältigen Bedeutungen des Wortes „sap“ ab - es bedeutet sowohl die lebenswichtige zirkulierende Flüssigkeit einer Pflanze als auch eine übermäßig sentimentale Person - ein kleines, aber passendes Wort für ein Projekt, das aus der Zusammenarbeit und Arbeit einer Lebensgemeinschaft entstanden ist.

In Anlehnung an den Rhythmus der Jahreszeiten finden im SAP Space von April bis Oktober Ausstellungen, Performances und Workshops statt, und in den Wintermonaten wird ein Winterschlaf gehalten.

Die Saat für den SAP Space wurde 2019 oder 2020 gelegt, offiziell gegründet wurde er aber erst 2022 von Ilyn Wong und Johannes Knall. Das Programm wird von Ilyn Wong geleitet.

Gegründet: 2022

Barrierefreiheit

  • Für gehbehinderte oder auf einen Rollstuhl angewiesene Menschen zugänglich.
  • Für hörgeschädigte und gehörlose Menschen zugänglich.

Sitzgelegenheiten: Sitzgelegenheiten sind auf Anfrage verfügbar
Altersgruppen: für alle Altersgruppen geeignet
Sprachen: Englisch und Deutsch; bei Bedarf können wir Übersetzungstools einsetzen oder informelle Unterstützung vor Ort anbieten.
Rollstuhlfahrer:innen | Kinderwagen: ebenerdig zugänglich
Hörgeschädigte Menschen: Die Veranstaltung stützt sich nicht in hohem Maße auf gesprochene Inhalte. Alle verbalen Elemente sind informeller Natur und können bei Bedarf durch schriftliche oder persönliche Kommunikation ergänzt werden. Die gesamte Umgebung ist relativ klein, was dazu beiträgt, Hintergrundgeräusche zu reduzieren.
Gehörlose Menschen: Die Ausstellung kann visuell und räumlich erlebt werden, ohne auf Ton angewiesen zu sein. Alle wesentlichen Informationen werden in schriftlicher Form zur Verfügung stehen. Gerne passen wir die Kommunikation vor Ort bei Bedarf an.
Seheingeschränkte | Blinde Menschen: Die Ausstellung ist in erster Linie visuell. Derzeit gibt es keine speziellen taktilen oder akustischen Beschreibungen. Wir sind jedoch bereit, auf Anfrage mündliche Beschreibungen der Werke anzubieten.
Neurodiversität: Die Ausstellung ist so konzipiert, dass sie im eigenen Tempo besichtigt werden kann, sodass Besucher:innen sich den Werken entsprechend ihrem eigenen Rhythmus und Konzentrationsniveau nähern können.
Weitere Ankündigungen: Die Ausstellung umfasst Videoarbeiten. Zwar gibt es keine absichtlichen Stroboskop- oder Blinklichteffekte, doch können einige Videos wechselnde Lichtverhältnisse enthalten. Besucher:innen, die lichtempfindlich sind, werden gebeten, Vorsicht walten zu lassen.
SAP Space ist ein kleiner, ungezwungener Projektraum, und wir möchten ein Umfeld schaffen, das zugänglich und flexibel ist. Wir gehen gerne auf individuelle Bedürfnisse ein und bitten Besucher:innen, sich im Voraus bei uns zu melden, falls sie besondere Vorkehrungen benötigen.